Kunst, Design und Kultur

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Die Grenzen der Gestaltung sprengen

Schon die „alten Meister“ nutzten Farben, deren Rezepturen sie sorgsam hüteten. Neuartige Werkstoffe bestimmten bereits vor Jahrzehnten ganze Kunstrichtungen. Auch die irisierenden Großplastiken von Jeff Koons, einem der bekanntesten zeitgenössischen Künstler, wären ohne neue Beschichtungsverfahren undenkbar.

Im modernen Design fordern Produktgestalter Materialien, die teilweise die Grenzen der Physik und Chemie zu überwinden scheinen. So sind Keramiken temperaturbeständig und härter als Stahl, gleichzeitig können sie aber transparent wie Glas sein – und so neue Digitalkamera-Optiken ermöglichen.

Häufig werden solche Werkstoffe durch Mischen erzeugt. Sie sind dann nicht mehr eindeutig Metall, Keramik, Glas, Kunststoff oder Holz. Dies führt auch zu neuen Verarbeitungstechniken. Deutschen Wissenschaftlern gelang es, Holz in seine Bestandteile zu zerlegen und so wieder zusammenzusetzen, dass es sich in Spritzgießmaschinen aus der Kunststoffverarbeitung umformen lässt. So entstanden beispielsweise Lautsprecher und Musikinstrumente mit hervorragenden Klangeigenschaften.

Kunststoffe können heute Strom und Wärme leiten oder Licht ausstrahlen. Technische Textilien aus Hochleistungsfasern erlauben anmutige Überdachungen großer Flächen oder die Verkleidung ganzer Fußballstadien. Die Entwicklung gießbarer harzgebundener Mineralwerkstoffe, teilweise mit Faserverstärkung, ermöglicht Designern die Gestaltung neuartiger Sitzmöbel oder Becken im Sanitär– und Küchenbereich. Ja sogar lichtdurchlässiger Beton steht mittlerweile zur Verfügung.

Einen wesentlichen Beitrag zu neuen Gestaltungsmöglichkeiten leisten auch die Fertigungsverfahren. Durch das Innenhochdruck-Umformen lassen sich Metallrohre mittlerweile ähnlich wie Kunststoffe in Hohlformen aufblasen. Das ermöglicht noch vor wenigen Jahren nicht für unmöglich gehaltene Formen.

Rund 238 000 Unternehmen mit knapp einer Million Erwerbstätigen waren im vergangenen Jahr in der deutschen „Creative Industries“ aktiv. Sie erwirtschafteten insgesamt einen Umsatz von 132 Mrd. Euro und trugen zur Wertschöpfung des Landes etwa 63 Mrd. Euro bei. Das entspricht 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Design-Wirtschaft als wichtige Teilbranche umfasst rund 37 000 Unternehmen, die jährlich etwa 13 Mrd. Euro erwirtschaften. 25 Design-Zentren und -Initiativen unterstützen in Deutschland vor allem mittelständische Unternehmen bei Fragen rund um das Design und das Design als Wertschöpfungsfaktor.

Die Bundesregierung hat die wachsende Bedeutung dieses Bereichs erkannt und im Herbst 2007 die „Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft“ ins Leben gerufen. Damit soll die Branche für die Zukunft gestärkt und das Arbeitsplatzpotenzial besser erschlossen werden.